3 Fragen an: Irmgard Querfeld - Café Museum

Lesungen sind Events sind Marketing-Instrument. Was sich früher im Hinterzimmer mehr oder weniger verstaubter Buchhandlungen abgespielt hat, ist längst zum wirkungsvollen Inszenierungstool für Autoren und Verlage, aber auch für Firmenevents und Marken geworden. Mit einer wissenschaftlichen Lesung etwa lässt sich ein neues Produkt vertrauensvoll am Markt einführen. Unternehmen, die zum Firmenjubiläum oder zu einem speziellen Anlass angesehene Schriftsteller im Rahmen der Veranstaltung lesen lassen, machen sich selbst als Gastgeber beliebt. Kaffeehäuser sind dabei als Veranstaltungsort besonders gefragt, zählt die Wiener Kaffeehauskultur doch zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Ein Ort, wo regelmäßig Autorenlesungen über die Bühne gehen, ist das Café Museum in Wien. Was beim Organisieren einer Lesung zu beachten ist und warum die Wahl der Location entscheidend ist, erzählt uns Irmgard Querfeld, Geschäftsführerin des Café Museum.

platzpirsch: Frau Querfeld, seit Sie und Ihr Mann Berndt Querfeld das Café Museum gepachtet und – nach original Plänen von Josef Zotti revitalisiert – erfolgreich wiedereröffnet haben, ist das Café für Künstler erneut zum interessanten Treffpunkt von einst geworden. Im Rahmen der seit 2011 stattfindenden Kaffeehaus-Lesungen waren zahlreiche Literaturgrößen wie Barbara Frischmuth, Josef Haslinger oder Daniel Glattauer im „Museum“ zu Gast. Was macht Ihr Kaffeehaus als Veranstaltungsort so interessant?

Irmgard-Querfeld Cafe Museum

Irmgard Querfeld-Micko, MBA

Irmgard Querfeld: Ja, das stimmt. Schon als das Café Museum im Jahr 1899 erstmals eröffnete, waren hier zahlreiche Literaten zu Gast, die sich durch das Ambiente besonders inspiriert und wohlfühlten. Schriftsteller wie Joseph Roth, Karl Kraus, Georg Trakl, Elias Canetti, Arthur Schnitzler, Robert Musil und Peter Altenberg fanden im „Museum“ ein zweites Wohnzimmer beziehungsweise eine Art Diskutier- und Schreibstube. Und genau das – eine Spur Nostalgie und Genie, Zukunft und Inspiration – versuchen wir heute weiterhin zu kultivieren. Mit seinem ganz eigenen Flair ist das Café Museum ein schöner Rahmen, um bei Veranstaltungen und Lesungen an die literarische Tradition von anno dazumal anzuknüpfen.

platzpirsch: Was gilt es beim Organisieren einer Lesung zu beachten? Wählen Sie auch die Textpassagen aus oder ist das Sache der Autoren? Gibt es einen Unterschied, wenn Sie eine kulturelle Veranstaltung ausrichten oder ein Firmenevent?

Irmgard Querfeld: Für die Auswahl der Literaten habe ich Herrn Gerhard Loibelsberger, selbst Autor historischer Kriminalromane, gebeten mich zu unterstützen. Ich lese zwar sehr gerne, habe aber dann doch nicht ausreichend die Zeit, um monatlich Bücher auszusuchen und den Kontakt zu den Verlagen oder Schriftstellern herzustellen. Die Textpassagen suchen die Autoren selbst aus.

Die Lesungen finden in den beiden Literatur Salons, im hinteren Teil des Café Museum, statt. Dort können unsere Gäste die Kaffeehaus-Atmosphäre in vollen Zügen genießen – die Ober bringen bis kurz vor Beginn der Lesung letzte Bestellungen, dann schließen sie behutsam die Tür und die Stimme des Autors ertönt.
Bevor die jeweiligen AutorInnen dann das Buch aufschlagen, geben sie auch persönliche Einblicke – beispielsweise aus welcher Stimmung heraus ihr Werk entstanden ist. Dieser Teil ist mir persönlich besonders wichtig, dadurch entstehen Fragen und Diskussionen. Nach circa 45 Minuten Lesung ergeben sich immer noch weitere Gespräche mit den Schriftstellern, meist gemeinsam bei einem Glaserl Wein.

Wir laden auch immer eine Buchhandlung ein, die einen Büchertisch vorbereitet und die gekauften Bücher werden signiert. Die Lesungen, wie überhaupt Literatur und Kunst, sind mit dem Café Museum irgendwie verortet und unsere Gäste wie auch die AutorInnen folgen unserer Einladung sehr gerne.

platzpirsch: Gerade war Peter Rosei mit einer Lesung bei Ihnen zu Gast. Verraten Sie uns das nächste Highlight, auf das sich Literaturfreunde im Café Museum freuen dürfen?

Irmgard Querfeld: Am 9. Februar 2015 wird Karin Peschka aus ihrem Roman „Watschenmann“ lesen. Obwohl zum damaligen Zeitpunkt noch im Entstehen begriffen, erhielt die Autorin für dieses Werk 2013 den Wartholz Literaturpreis.

Lesung Wien

Lesung im Café Museum mit Peter Rosei – kritisch und unterhaltsam.

Location Info

Café Museum

Operngasse 7

1010 Wien

> Link-Tipp:

Lesen Sie weitere Interviews mit Location-Betreibern im platzpirsch-Blog für Eventplaner…

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